Das graue Leben der Gewohnheit

 

Meist haben wir gar keine Chance, die schillernde Buntheit der Welt zu erfahren. Die Gewohnheit, die Räuberin der Sinne, sagt uns, was wir zu erwarten haben. Und darum schalten wir oftmals einfach ab und kümmern uns nicht darum, was die Sinne sagen. So gehen wir durch einen sonnigen Tag nach dem anderen, ohne es zu merken, fahren von der Arbeit abgespannt und in Eile nach Hause, ohne wahrzunehmen, dass tausend Farbtöne uns umgeben, geistig erfrischen und uns gut tun können. Wieder ein Tag zu Ende, eine Woche. Ach – Frühling ist auch schon gewesen?
Es ist dieselbe graue, alte Straße, die ich jeden Tag sehe. Warum soll ich mir die Mühe machen, sie zu betrachten? Stattdessen betrachte ich die Gedanken in meinem Kopf. Sie drehen sich im Kreis und machen mich verrückt. Warum komme ich nicht zurecht? Was ist los mit mir? Was ist mit den anderen los?

Gewohnheit macht das Leben scheinbar leichter. Sie erlaubt uns den ’Auto-Piloten’ einzuschalten. Aber wenn wir uns der Gewohnheit nicht bewusst sind, macht sie das Leben auch weniger interessant, lustig, hoffnungsvoll – und vor allem weniger farbenfroh. Die Gewohnheit täuscht uns vor, alles sei vorhersehbar, alles wiederhole sich ständig. Was vorhersehbar ist, braucht uns nicht zu kümmern – es ist immer dasselbe und wird immer dasselbe sein. Und was uns nicht kümmert, hört für uns allmählich auf zu leben – WIR HÖREN ALLMÄHLICH AUF ZU LEBEN. Aber nichts ist immer gleich, und nichts wiederholt sich ständig. Interessant sind die Unterschiede, nicht die gleichen Merkmale. Und damit wir sie sehen, müssen wir die Gewohnheit aufgeben, nichts zu sehen – müssen uns die Farbigkeit der Welt und unseres Lebens wieder erlebbar machen.

Denn Leben war nie als ein monoton und langweiliges Dahindämmern gedacht, vielmehr wie ein Wandern durch ein sonniges Tal von einem wunderschönen Aussichtspunkt zum anderen.

Farben begegnen uns im Alltag überall? Dieselbe leblose aschgraue Straße wird aber dann – im Wechselspiel der Jahreszeiten – zu einem bunt schillernden Festplatz, einer prächtig schimmernden, regenbogenfarbigen Allee des munteren Sinnenspiels, mit bunten Orten des Verweilens und der Lebensfreude. Und oft löst eine wieder erlernte Neugier auf unsere Umwelt ganz neue Empfindungen und Stimmungen in uns aus, so dass das Pendel unserer Sinnesempfindungen in Schwingung versetzt wird. Sorgen erscheinen uns dann plötzlich in einem anders farbigen Licht. Was ist denn ein Regenschauer? Doch nichts anderes als ein liebevoll geknüpfter Teppich von Millionen verstimmter Sonnenscheinperlchen!

Farbe ist eine vitale Kraft, die unser Leben
tiefgreifend prägen kann.

Wir müssen wieder erkennen, dass die Art, die Welt um uns zu sehen, in Bezug auf Farbe, uns eine deutliche emotionale und gesundheitsfördernde Stärke übermitteln kann. Dass wir mit einer Rückkehr zu einer bewussten Beobachtung der Schönheit und Vielfarbigkeit unserer Umgebung das gesundheitliche und emotionale Muster unseres Lebens positiv beeinflussen können. Und dadurch sind wir imstande, unsere Verhaltensweisen und unsere Lebensrichtung, ja letztlich auch unsere Bestimmung zu gestalten. Dann hat unser Leben wieder mehr emotionale Würze und Farbigkeit.
In diesem Sinne: Farbe belebt und tut gut.

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