Die Geschichtliche Entwicklung des Hinduismus

 

Brahmanismus oder Hinduismus ist die Bezeichnung für die einheimische Religion Vorderindiens, der heute ungefähr 85 % der indischen Bevölkerung angehören. Religionswissenschaftlich gilt der Hinduismus zwar nicht als Religion, sondern als Sammelbezeichnung unterschiedlichster Strömungen (Der Einfachheit halber verwende ich dennoch diesen praktikablen Begriff.).
Von der Abstammung her unterscheiden sich Brahmanismus und Hinduismus: Ersterer leitet sich von der indischen Priesterkaste, den Brahmanen, ab und bezeichnet auch die Bewohner Indiens, die die Brahmanen als ihre Priester anerkennen. Hinduismus hingegen ist ein geographischer Begriff, denn die Mohammedaner nannten die Bewohner des Indusgebietes Hindus.

Ausgrabungen von Ruinen großer Städte aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. in der Landschaft Sindh und im Panjab weisen auf den hohen Stand der Induskultur. Die damalige Religion war ein hochentwickelter Bilderkult, der aus der Verehrung von männlichen und weiblichen Gottheiten bestand. Man erkannte gewisse Ähnlichkeiten mit den heutigen Gottheiten, heiligen Tieren, Pflanzen, Symbolen und Phallussteinen, weshalb sie auch als ein Vorgänger des heutigen Hinduismus bezeichnet wird.
Im 2. Jahrtausend v. Chr. wanderten die Arier ins Indusgebiet ein und siedelten sich im Nordwesten Indiens an. Ihre Religion wird die „vedische Religion“ genannt. Ihre heiligen Schriften, jahrhundertelang nur mündlich überliefert, hießen „Veda. Es findet sich eine Vorstufe eines Monotheismus, d.h. der Glaube, daß ein Gott der höchste wäre und ihm alles andere unterworfen wäre, der sog. „Henotheismus“.

Um 1000 v. Chr. drangen die Arier weiter in den indischen Subkontinent vor und ließen sich als eine Herrenschicht unter den Vorbewohnern nieder. Um das zu wahren, bildeten sie das Kastenwesen aus. Als Brahmanen beeinflußten sie die Religion der Vorbewohner stark. Nun kann man vom Brahmanismus sprechen. Die Veda war zu vier heiligen Texten herangewachsen und gelehrte Brahmanen verfaßten Erläuterungen, sog. Opfertexte (Brahmana). Das absolute Sein wird als Brahma(n) bezeichnet.
Um 800 v. Chr. entstanden die Upanishaden. Bis 1000 n. Chr. zweigten in Opposition zu den Ansprüchen des Brahmanentums der Jainismus und der Buddhismus ab, die gegen die großen Kastenunterschiede waren.
Diese Periode stellt die Blütezeit und größte Ausbreitung dar. Es bildete sich die Hochsprache (sanskrita; im Gegensatz zur Umgangssprache, prakrita) als das sprachliche Medium. Nach und nach beherrschten die Arier die ganze Halbinsel, wodurch die Religion immer stärker den Umwelteinflüssen ausgesetzt war. So veränderte sich die Götterwelt stark und es bildete sich die Trimurti der drei höchsten Götter (Vishnu, Shiva und Brahma) weiter aus, aber auch weibliche Gottheiten gewannen an Beliebtheit. Das indische Pantheon wurde unübersehbar, denn es entwickelten sich immer mehr Lokalgottheiten. Außerdem entstand eine Vielzahl von Sekten, die jeweils andere Götter in den Mittelpunkt ihres Glaubens stellten.

Einen Versuch, die verschiedenen Sprengel des Hinduismus wieder zu einer Einheit zusammenzufassen, unternahm der Brahmane Shankara, doch er scheiterte.
Seit dem 15. Jahrhundert errichteten moslimische Fürsten eigene Reiche auf indischem Boden und bekehrten Hindus zum Islam. Der ausgeprägte Fanatismus der Mohammedaner, die es als ihre Pflicht und ihr Recht sahen „Ungläubige“ zu verfolgen, stand schroff im Gegensatz zum Verhalten der Hindusekten. So gründete Nanak die Gemeinde der Sikhs (Schüler), die zum Ziel hatten, Islam und Hinduismus auf dem Boden eines bildfreien Monotheismus zu einigen.
Seit 1498 steht Indien im Interesse europäischer Kolonisationsbestrebungen, aber erst nach dem Ende des 18. Jahrhunderts wirkt Europa nennenswert auf das Hindutum, nachdem die Britisch-Ostindische Kompanie unter den Europäern als Sieger hervorging und die Herrschaft sicher aufgerichtet hatte. 1828 gründete Raja Rammohan Ray die „ Gemeinde der Gottesgläubigen“ („Brahma-Samaj“) in Kalkutta, die den Hinduismus modernisieren wollte. Es folgten Sekten und Bewegungen mit ähnlichen Zielen. Diese breiteten sich rasch aus und es wurde so zur Selbstverständlichkeit, daß sich Hindus mit christlichen und islamischen Lehren beschäftigen, jedoch nicht ihre Religion mit dem Christentum oder Islam vertauschen. Als Beispiel: Mohandas Karamchand (”Mahatma”) Gandhi als orthodoxer Hindu: “Der Hinduismus ermöglicht es jedem, Gott nach seinem eigenen Glauben zu verehren (…) und gerade deshalb lebt er mit allen Religionen im Frieden.”

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