Wie man Gebetstexte betrachtend betet

 

Für das betrachtende Gebet gilt der einfache Grundsatz: Beten wir nicht irgend etwas herunter, sondern betrachten wir es Satz für Satz oder Abschnitt für Abschnitt, je nach dem Zusammenhang. „Herr, was will ich Dir jetzt in meiner Situation, in meinem Beruf, in meiner Umgebung mit diesen Worten sagen? Was hat dieses Wort für Konsequenzen für mich, wenn ich Dir das sage?” – Wir müssen das Gebet ins Fleisch gehen lassen. Das ist wahres Beten. „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten” (Ps 27,1). Wenn ich diesen Text einfach herunterbete und gar nicht überlege: Habe ich irgendwo Dunkelheit, in der der Herr mir Licht sein soll oder ist irgendwo bei mir etwas unheil, wo Gott sein Heil schenken muß, so daß ich sage, er ist mein Heil? Vor wem fürchte ich mich eigentlich, vor dem ich mir von Gott Hilfe erwarten kann? Wenn ich also gar nicht überlege, was ich Gott überhaupt sage und was ich damit meine, dann ist es reines Lippengebet und hat keine Konsequenz auf meine persönliche „Dunkelheit” oder auf die Menschen, die mir vielleicht zusetzen.

Mündliches Gebet fängt an, wahres Gebet zu werden, wenn der Inhalt meines Betens mich zur Antwort und zu Willensentschlüssen anregt. Dazu würde oft ein Vaterunser täglich genügen: Dein Wille geschehe – nicht meiner. Deine Ehre – nicht meine, die ich gerade jetzt wieder suche. Vergib uns, wie wir vergeben – wie oft haben wir das gebetet, ohne eine Konsequenz zuzulassen? All das ist wichtig.Was bete ich? Wie bete ich? Wie übe ich mein Beten ein?

Es genügt nicht, daß ich bestimmte Gebetstexte gehört oder gelesen habe. Das allein nützt nichts. Wichtig ist, an einem konkreten Gebet sofort betrachtend zu üben. Was hat das mit meiner letzten Woche zu tun? Wie werde ich, wenn ich das wahrhaftig bete, in die nächste Woche gehen? Wenn das wahr sein soll, was ich jetzt Gott sage, worauf werde ich dann achten? Das mündliche Gebet ist ein Gebet, das sehr wachsen kann: vom wertlosen Plappern bis zu einem tief innerlichen Gebet. Beziehen wir also beim mündlichen Gebet immer gleich betrachtende Gedanken mit ein. Es kommt nicht auf die Kilometer von Worten an, die wir beten.

Jesus sagt, wir sollen nicht „viele Worte” machen wie die Heiden (vgl. Mt 6,7). Beten wir lieber nur zwei, drei Sätze in einer Stunde, die wir aber wirklich ins Fleisch gehen lassen. Das ist ganz entscheidend. Es geht um die Liebe, nicht um die Worte. Lassen wir uns bei allem gutgemeinten Eifer nicht zu verkehrten Extremen verleiten und ziehen wir keine falschen Konsequenzen. Die ernste Warnung Jesu vor dem „Plappern wie die Heiden” meint nicht die mathematische Anzahl der Worte, sondern Extreme, beidenen ich herunterhaste und nichts denke. Bemühen wir uns daher um das richtige Verständnis, wenn vom Gebet die Rede ist. Tauschen wir uns darüber aus.Wie haben andere

das verstanden? Jeder hat ja seine eigene Erfahrung. Wir alle brauchen einander, deshalb werden wir von Gott zusammengeführt.

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