Wie geht ein Zahnarzt mit HIV-Patienten um?
Das ist ja eine keineswegs einfach zu beantwortende Frage und sicher auch von Seiten der Zahnärzte mit Ängsten besetzt, denn auch Zahnärzte sind “nur” Menschen.
Aber Dr. Rainer A. Jordan. Oberarzt der Universitätszahnklinik Witten-Herdecke ist an das Thema wissenschaftlich herangegangen - und daraus lassen sich einige Ratschläge ableiten. Ich kann hier nur ein paar Sätze zitieren:

“In mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat der Oberarzt der Wittener Universitätszahnklinik seine Forschungen für den praktisch tätigen Zahnarzt zugänglich gemacht. Darin betont Jordan vor allem: “Den medikamentös gut eingestellten HIV-Patienten kann der niedergelassene Zahnarzt gut versorgen, überwiegend sogar wie jeden anderen Patienten; man muss allerdings die möglichen Wechselwirkungen mit den HIV-Medikamenten berücksichtigen.” Denn die Immunschwäche wird seit Mitte der 90er Jahre mit einem Mix aus unterschiedlichen Medikamenten behandelt. Diese sog. antiretroviralen Medikamente unterdrücken die ansonsten tödlich verlaufende Infektion. “Für den Zahnarzt ist wichtig, dass diese Medikamente bei HIV-Patienten auch die typischen, in der Regel hochakuten Veränderungen in der Mundhöhle beeinflussen und in eher chronische Verlaufsformen verwandeln. Erkrankungen des Zahnhalteapparates, überhaupt Probleme mit dem Zahnfleisch können häufig wie bei nicht-infizierten Patienten behandelt werden. Aber der Zahnarzt kann am Zahnfleisch seiner HIV-Patienten erkennen, wenn die Medikamente beginnen zu versagen, wann sich eine Resistenz anbahnt. Spätestens dann ist es Zeit, beratenden Kontakt zum HIV-Spezialisten aufzunehmen”, erklärt Jordan die Ergebnisse seiner Forschung.
Außerdem gibt es immer noch Menschen, die von ihrer Infektion nichts wissen. Wenn der Zahnarzt die HIV-typischen Veränderungen feststellt, sollte er behutsam das Gespräch mit dem Patienten suchen. “Dies ist eine sensible Situation im Arzt-Patienten-Verhältnis, und der Zahnarzt muss mit dem Patienten weitere Untersuchungen durch einen HIV-Spezialisten beraten”, nimmt Jordan die Zahnärzte in die Pflicht.”
Soweit einige Sätze aus einer Pressemitteilung bei idw - der Anlass ist ein Preis, den Dr. Jordan bekommen hat: den Förderpreis der Apollonia zu Münster, der Stiftung der Zahnärzte in Westfalen-Lippe.
Quelle für den Text, wie gesagt, idw - für das (natürlich symbolisch gemeinte) Bild by-sassi von pixelio.de
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